DichtArt LIV – Spiegel

Spiegel

Die Liebe zu einem Menschen bietet einen hervorragenden Spiegel des eigenen empfindlichen Selbst – und im Spiegelbild der Liebe beginnt Verborgenes zu erwachen. Die Frage, die sich dabei stellt, ist die, ob man bereit dafür ist, in diesen Spiegel hineinzuschauen, ohne den anderen für seine eigenen Gefühle verantwortlich zu machen.

Im Spiegel seh‘ ich mein Gesicht
Dein Ausdruck gibt mein Selbst Gewicht
Ich fühle, was ich sonst nicht spür
Du förderst Blindes durch die Tür
So manches, was ich gern verberg‘
Hältst du nicht lange hinter’m Berg
Im Schwur der Liebe wusstest du
Im Licht zeigt Schatten sich im nu
Wie oft schau ich so gerne weg
Dein Spiegel zeigt mir jeden Fleck
Mein Glück, dass du Vertrauen hast
In mein Leicht-Sein und in Last
Ohne dich wär‘ ich nur halb
Sähe nicht die Ich-Vielfalt
So tauch‘ ich ein ins Spiegelbild
Was du mir zeigst für mich nur gilt
Und spür ich in mir Ungeduld
Wofür ich fühl‘ trägst du nicht Schuld


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