DichtArt LXVI – Olivenbaum

Olivenbaum

Es rief mich weit aus ferner Zeit ein Traum, er sagt‘ zu mir, es sei soweit. Komm lass uns holen was verloren schien und folge mir, es ist nicht weit. Ja, in der Tat, er zeigte mir ein lang verborg’nes Glück, drum folgt‘ ich ihm das kleine Stück. Da sah ich sie im Engelskleid und wußt‘ sofort, das ist die Maid, sie lebte nur an and’rem Ort. Das ist nicht schlimm, so dacht‘ ich mir, das lange Schlummern ist vorbei, erwacht ist uns’re Liebelei, ich seh‘ das auch so, sagt‘ sie zu mir. Im Sonnentanz wir drehten uns um Licht und Liebe und ums Leben, wir wollten nach so Vielem streben und flogen mit dem Lauf der Sonne, ach, was war das eine Wonne. Das Schweben auf der Wolke Sieben vereinte Denken mit Gefühl, verbund‘ne Seelen im Gewühl, was war’n wir in der Trance getrieben. So träumten wir gemeinsam hin, bis die Sonne unterging. Beim Abendrot so schmiede ich – im Geiste halt ich mich an dich – mein wunderbaren Lebenstraum, hier unter dem Olivenbaum.


(C) 2021 by Dichterling