DichtArt LXXX – Narben

Narben

Im tiefen Druck lauert ein Gespenst, unsichtbar, aus dem Hinterhalt unbemerkt sich anzuschleichen, bereit, seine Tentakel auszufahren, gemächlich den Moment umnebeln und in seinem Dickicht untergehen zu lassen, furchteinflößend, im Begriff, sichtlos jegliche Orientierung im Trüben aufzulösen. Gefechtsstand: Worte ringen hilflos um Sinn und Gehalt, während Gefühle taumelnd fallen, wirr zerfleddern und Hände fuchteln wild ins Leere um sich greifend nach Halt suchen. Puls pumpt rasend rauschendes Blut durch die Venen, vibrierend flattern sie mit den bis zum Zerreißen gespannten Nerven um die Wette, die aussichtslose Flucht zu gewinnen, hinab in den reißenden Sog der Besinnungslosigkeit, bis die Angst den Boden ausschlägt und das verunsicherte Ich kauernd am Boden liegt, bang, je wieder Fuß zu fassen ob des Entsetzens, das auf die Haut gebrannt tiefe Spuren in die Seele eingraviert: Grausam klaffende Zeichen des Kontrollverlustes.


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