DichtArt CXII – Erwachen

Erwachen
Erwachen

Im Schlafe, der dem Tode nah, sang ich einst ein Grabeslied vom Traume der ummantelt war von Mauern Stein um Stein im Glied. Mein Geist, der golden schwer gefangen irrte, wusste weder ein noch aus, die Dunkelheit durch’s Herz mir flirrte schmückte jeden Raum im Haus.

In dieser Stille Düster Dichte, sanfter Atemstrom ergießt den Samen in der Tiefensenke, entwindet frei der Schichten drückend Last, Stück um Stück entfesseln Funken Kräfte der Wege Ebnung raus ins Frei, so dass der erste Augenschein treffe auf ein Konterfei bis hin die Kenntnis sich erdacht‘, das Licht in Bahnen sich durchwindet in Gedanken es geschafft.

Noch Halbschlaf trunken taumelt mir durch Lider Welten Grau in Grau ins Schattenreich verwegen, fast frivole, freudig gar, der Odem Tatendrang wie Tropfen Steine höhlend zeitentfesselt ohn‘ Verdruss entgegen. Aus der Bande Joch entwunden reicht der Lebensgeist ans Seelentor heran, in stetem Takt an Schwur gebunden treibt das Dasein in den strömend Schöpfungsplan.

Entfleucht der reißend Kralle Äon Schummer sprießt Apollons Pfeil aus Urkraft in der Venen Pfad die Saat des Leibentriebs ins Feld der Wachsamkeit. Ein Fest, ein hohes Fest lebendig feiernd Freiheitsrausch hebt an zu singen und zu tanzen bis an der offen Pforte Himmel unter Einlass mit geboten Pauken und Trompeten der Lebenszug Triumphentross Audienz zum ewig Quell des Sinnesstaumel.

Nun trag‘ ich stolz im Glanz des Lebensfluss den Thron des Mutes in der Feuerkammer – voran! Voran und immer weiter möcht‘ ich gleiten, der Sonne Aufgang wild entgegenreiten, erobernd will das Wollen sein, verbindend in des Glückes Reigen, verbrüdern in verschwesternd Reim, wohl liebend komme ich so heim. Mit reinem Herzen hell erleuchtet will streben ich ganz ohne Zwang, der Welten Lieb im Traum mich geben, möcht ich im Wachsein auch erleben.


Bild: (C) 1990; Musik: (C) 2021, Text: (C) 2022 by Dichterling