DichtArt CXXI – Stille Bewegung

Stille Bewegung

Weißt du wie es ist, wenn dich das Leben nach einem langen Stillstand unverhofft zart berührt und sich dir in einem kurzen Augenblick seiner Gnade urplötzlich in seiner ganzen Schönheit wie ein Füllhorn offenbart? Das passiert nach langem Kampf und Trauer um eine verlorene Liebe, ohne Ankündigung, ohne Vorahnung, ohne dein Zutun, es kommt, einfach so, unerwartet, ohne deine Bereitschaft und nimmt dich in einem Bruchteil einer Sekunde von allen Lasten befreit vertrauensvoll an die Hand.

Du sitzt eines Tages irgendwo in der Natur auf einer Wiese (in deinem Garten, am Fenster deines Hauses, auf einer Bank am Waldesrand oder an einem Aussichtspunkt) und schaust einem strahlenden Sonnenuntergang entgegen, der Wind rauscht sanft über die hohen Halme, erzeugt in deiner Seele fließende Lebensbilder des Glücks und wiegt die Bäume in einem blau-gelben Horizont flirrend in der Zeitlosigkeit, so dass du das erhabene Gefühl innigster Verbundenheit mit dir, deinem eigenen Leben und mit deinen aktiven und inaktiven Liebsten empfindest. Um dich herum tobt deine wilde Lebenszeit, sie wirbelt deine vergangenen Gedanken um deine Erinnerungen herum, sprudelt deine verletzten Gefühle in einem See heilsamer Tränen, malt deine zerbrochenen Träume in den buntesten Lebensfarben aus, du fliegst wie von einem Hurrikan deines Seins ergriffen um das Zentrum deiner innersten Wesensart, greifst händeringend nach dem Anker, der dich wieder erdet und ziehst dich voller Hoffnung in das Zentrum deines Herzens, in dem du still und eins mit dem Universum auf dem Throne deines Selbst sitzt. Alles wonach du dich in dieser Stille sehnst, ist die Bewegung hin zum endlosen Wachstum deiner immerwährenden Liebesfähigkeit.

Spürst du auch die Magie, wenn du „ich liebe“ sagst?


Bild und Text: (C) 2022 by Dichterling


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