DichtArt CXXIII – Vom Suchen und Finden

Vom Suchen und Finden

Ich frag‘ mich, was das Leben will
Hegt es Wachstum, oder steht es still?
Erst die Dunkelheit weitet meinen Blick
Blenden tut mich barsch das grelle Licht
Ich tanze blind durch die Erinnerung
Die Trauer hält mich fest in Schwung
Bin ich gefangen oder frei?
Ich taumle durch den Einheitsbrei
Geh‘ ich links oder gar nach rechts?
Weiß nicht, wonach mich’s lechzt
Will ich bleiben oder lieber geh’n?
Soll ich laufen, oder besser steh’n?
Wer weiß schon das, was  richtig ist?
Was ist schon wahr, und was ist Mist?
Im freien Fall, da spüre ich
Es hält mich nichts im Nirgends nicht
Kein Anker oder Landeplatz
Entwurzelt, lose, ohne Schatz
Rastlos durch die Zeit und Raum
Jagt‘ ich nach dem großen Traum
Rang‘ um Liebe und um Halt
Verlor’ne Jugend, werde alt
Alles was am Ende blieb
Ein Spiegel, der das Leben schrieb
Mit Schmerzen, die die Tränen trieben
In Wunden, die stets offen blieben
Wohin soll das Leid noch führen?
In Erkenntnis oder Sterben?
All das Streben nach dem schönen Glück
Liegt verborgen im Vabanque-Geschick
Die Weisheit, die sich offenbart
Und trifft sie einen noch so hart
Zeigt sich in des Lebens Lauf
Sie heißt: gib die Suche niemals auf!
Sie ist des Daseins Elixier
Das Ich geht auf im Jetzt und Hier
Es eint sich fest mit deinem Dir
Und wächst gemeinsan tief im Wir


Bild: (C) 2022 by Simone Gensch; Text: (C) 2022 by Dichterling