DichtArt CXXVIII – Kontrollverlust

Kontrollverlust

In Sendung einer beabsichtigten Botschaftsmeldung frisst sich das hungrige Gespenst einer verborgenen Mentalität durch die Nervenbahnen und folgt den Lebenskanälen durch dickes Geblüt bis zu den Schaltstellen des Bewusstseins auf der Brücke eines kontrollierenden Seins, um sich an den Relais des Denkens und Fühlens schaffen zu machen, missionarisch, gewaltig und mit unangenehmen Information bereit, die Regie über das Schalten und Walten eines enormen Erfahrungsspeichers – welcher normalerweise die Beurteilung über das, was sein darf und das, was nicht sein darf, steuert, damit die Handlungen gerechtfertigt und harmonisch ins Weltbild passen – zu übernehmen und dabei in subversiver Unterwanderung des langjährig zurechtgelegten Gedankengebäudes des Individuums dafür Sorge trägt, all dessen Handlungen in ihrer moralischen Integrität zu Hinterfragen – insbesondere das mit hohen Mauern umrankte Denkmuster, welches mit Fallstricken verdrängungssichernder Warnanlagen ausgestattet ist in der vermeintlichen Hoffnung darauf, nichts zu verlieren –, und dabei unterschwellig und penetrant in der Magengegend spürbar darauf hinweist, dass nichts niemals so bleibt wie es scheint; es ist die zur Existenz zugehörige, ewig nagende Angst, die ständig durch die Venen schießt und auf ihr Angenommensein pocht.


Bild und Text: (C) 2022 by Dichterling