DichtArt CXXXVII – Verfall

Verfall

Am Anfang ist die Liebe groß
Rasch gehet man sich an die Hos‘
Die Leidenschaft sie sprüht und sprießt
Einander man in sich zerfließt

Das läuft dann eine Weile gut
Solang man sich noch riechen kann
Versinken beide in der Glut
Und ziehen sich in ihren Bann

Die Liebenden, sie träumen nun
Von Ewigkeit und Treueschwur
Verschmelzen ihre Eigenart
In des Andren Gegenwart

Irgendwann kommt der Moment
In dem man sieht sich tief verstrickt
Und abhängig sich völlig kennt
Dabei einander schier erstickt

So dauert es nicht all zu lang
Da wird es ihnen ziemlich bang
Sie hadern nun mit dem Geschick
Und brechen sich bald das Genick

Was haben sie nur falsch gemacht
So fragen sich die beiden nun
Nichts, sie sind nur aufgewacht
Das End‘ erkannt an ihrem Tun

Zum Schluss, da ist die Liebe weg
Was bleibet ist der leidig Schreck
Ein jeder geht nun seinen Weg
Gemeinsamkeit hat ausgecheckt

Es lieget jedem Morgenrot
Eine große Hoffnung inne
In beider langen Lebenslauf
Zeigt sich ein Sonnenuntergang


Bild und Text: (C) 2022 by Dichterling