DichtArt CXLVII – Dichtersinn

Dichtersinn

Es dichtet hier ein Dichtersmann
Von vielen Dingen dann und wann
Von Licht und Liebe und vom Leben
Als wolle er die Welt bewegen

Der Blick fällt meistens auf die Worte
Reimen sollen sie am Orte
In Reih und Glied fein aufmarschieren
Sich zeigen und den Geist hofieren

Der Dichter glaubt, er sei ganz schlau
Stellt seine Werke gern zur Schau
Er meint, er hätte was zu sagen
Und würde das zur Welt beitragen

Doch schauen wir genau mal hin
So fragt man sich, macht das auch Sinn
In Anbetracht der Weltenmacht
Schlägt er hier keine große Schlacht

Im Dichten gibt man Antworten
Auf Fragen und mit Schlagworten
Was richtig ist und was ist falsch
Es streift die Wahrheit allenfalls

Früher war es eine Strömung
Das Dichten gegen Obrigkeit
Heute zählt die Eitelkeit
Persönliches als Selbstforum

Oh Dichterling, was tust du nur
Du hinterlässt ‘ne vage Spur
Im kollektiv Bewustensein
Legst du bloß einen kleinen Keim

Und allem Unken schwer zum Trotz
Im Narrativ und manchem Protz
Zollt Dichtung einen golden Wert
Sie träumet und auch sie belehrt

Gedichte gehen ihren Weg
Was sie halt hoch und tief bewegt
Schafft Bilder aus dem Herzensgrund
Die Fantasie birgt Lebensfund


Bild: (C) 2001, 2011, 2022 by Angela Nungäßer und Dichterling; Text: (C) 2022 by Dichterling