DichtArt CLII – Alltag

Alltag

Wir kennen das nur allzu gut: Man wird geboren, schon geht es los: machen, was die Eltern sagen, machen, was die Erzieherinnen sagen, machen, was die Lehrer sagen, machen, was die Ausbilder sagen, machen, was die Vorgesetzten sagen, machen, was der Partner sagt, machen, was der Staate sagt und machen, was der Sensenmann sagt. Das war’s.

Tagein tagaus der selbe Trott
So wird das Leben gar nicht flott
Morgens aus den Federn raus
Die Pflicht, sie ruft: auf auf, wach auf

Mit müden Augen schaut man drein
Am liebsten würd im Traum man sein
Doch tief im Kopf die Peitsche schwingt
Dass rasch man aus dem Bette springt

Und zack, läuft das Gehirne an
Ich muss heut stehen meinem Mann
Muss wieder tun, was man mir sagt
So überlebe ich den schnöden Tag

Dann macht man auf die Socken sich
Ach so, vergessen hätte ich fast dich
Du willst ja auch noch was von mir
Also mach‘ ich was fürs Wir

Nun ist man auf der Arbeit dann
Und schuftet weg den ganzen Kram
Weil der Chef das von mir wollte
Mach ich Dinge, die ich sollte

Am End‘ des Tages fragt man sich
Wo war denn heut‘ mein freies Ich?
Auf dem Tisch liegt Stapelpost
Die Freiheit ist ‘ne teure Kost

Die ganzen Dinge zwischendrin
Hobby, Freunde und Familie
Macht man mit auf ganzer Linie
Fein angepasst zwecks Lebenssinn

Am Abend liegt man dann im Bett
Man träumt von einem bess’ren Tag
Vollgefressen und schön fett
Probeliegen für den Sarg


Bild und Text: (C) 2022 by Dichterling


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