DichtArt LXXVI – Freestyle

Freestyle

Ein Leben lang nach allen Regeln der Kunst gelebt, mir einverleibt, die Lehren von Art, Stil und Weisen, so lange bis ich sogar den Rahmen als Freiheit anerkannte in welchem ich mir selbst Fesseln anlegte. Tellerrand? Das Leben als eine um sich selbst drehende Scheibe, für die Ewigkeit eingerichtet, fein säuberlich geputzt und gepflegt mit Meister Konvention den letzten Rest Zweifel an allen Andersartigkeiten vom Rand gekehrt, die Fliehkräfte im Zaum gehalten, bloß nicht abrutschen, vom Rand, am Rande stehen und auf sich zeigen lassen. Und dann? Dann kamst du und sagst, komm, lass und springen, vom Tellerrand, ins Ungewisse, Neues ausprobieren, scheitern und bauen, fliegen und erleben, tanzen, auf den Rändern der Welten Teller. Aber, was ist mit meinem bisherigen Leben, frage ich unsicher, verliere ich da nicht alles, wenn ich über den Tellerrand hinaus wandle? Doch du justierst meine Stellschrauben im Kopf neu aus, nimmst mich liebevoll an die Hand und rennst einfach los…


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