DichtArt LXXIV – Lektu & Emo

Lektu & Emo

Lektu, ja, und Emo auch
Kamen aus dem gleichen Bauch
Rein technisch ging die Sache vor
Und Lektu kam zuerst herbei
Auch Engelschöre war’n dabei
Der Emo trat danach durch’s Tor

Nun, Lektu machte sich ganz gut
Sie war die Schlauste in der Brut
Im Lernen stand sie ziemlich oben
Wusste was man darf und was verboten
Nüchtern, klar und zielbestrebt
War ihr Geist mit Kund beseelt

Nur Emo machte große Sorgen
Sein Träumen blieb niemand verborgen
Ihn trieben nur Gefühle an
Die Fantasie zog ihn in Bann
Ausprobieren und nicht rechnen
So wollte er sein Leben flechten

Ach, Emo, sagte Lektu bald
So findest du doch niemals Halt
Wenn du nur träumst ganz ohne Ziel
Erreichst du überhaupt nicht viel
Drum pass dich an, das ist Gewinn
Dann kriegt dein Leben einen Sinn

Oh, Lektu, kontert Emo rasch
Da liegst du aber völlig falsch
Nicht leben, wie es andre woll’n
Tribute nur für’s Wohlwoll‘n zoll’n
Ich spüre lieber in mich rein
Und bleib mir treu, ja, das ist fein

Lektu dachte: Arme Seele
Und Emo fühlte: Leblos Geist
Dabei ist alles doch ganz leicht
Denn Kunst der Unterschiedlichkeit
Trennt nicht richtig oder falsch
Sie füllet Lücken jedenfalls

Argwohn herrscht in beiden vor
Tunnelblick, so wie gewohnt
Doch Emo sucht in seinem Trott
Und Lektu tut es gleichsam auch
Das was fehlt zum vollen Glück
Liegt im Anderen ein wichtig Stück

Die Moral von der Geschicht‘
Schmähe nie das And’re nicht
Was ist ein Geist ohne Gefühl
Was, ein Gefühl ganz ohne Geist
Wir sind aus gleichem Sternenstaub
Gemeinsam wachsend, mit Verlaub


(C) 2021 by Dichterling; Bild: (C) 2021 by Simone Gensch