Verhärtet

Eingeboren wurd‘ ich einst
Ohne Zutun meines Willens
Ins Milieu mit Fug und Dung
Voll Gewalt mit Saat der Angst

Man bläute ein mir inbrünstig
Pass dich an, sonst brech‘ ich dich
Besond‘re Wahl, die blieb mir nicht
Strafensschmerz schien ungünstig

So wurd‘ ich klein und angepasst
Mein Leben war seit dem kein Spass
Ich suchte ohne Unterlass
Nach Türen aus dem Albtraumknast

Als Dissident versuchte ich
Im Ausbruch meinen Weg zu geh‘n
Doch wollte meine Umwelt nicht
Das, was ich wollt, auch zu versteh‘n

Steine legte man mir in den Weg
Man sagte mir, was einzig geht
Du kannst nicht tun was du so willst
Richte ein dich in des Lebens Filz

So wollte nur gefallen ich
Und tat, was man von mir verlangt‘
Am End‘ war ich kein großes Licht
Mein Wille war sehr rasch verbannt

Einzig war mein Wert sehr groß
Bei jenen, die in mir nur sah’n
Den Depp, den man gut schlachten kann
Bei denen bin ich stets famos

Die Bauern, die mich melken hier
Heißen Staat, der Chef und Partnerschaft
Behandeln mich so wie ein Tier
Und nehmen mir den Lebenssaft

Allmählich dämmerts auch in mir
Im Zuge meines Leidenswegs
Setz‘ Grenzen ich im jetzt und hier
Rigoros, umfassend stets

Das ist zwar nicht mein Lebensziel
Doch wenn ich seh‘, was mich umgibt
Muss ich mich schützen ziemlich viel
Da gibt es nichts, was ich noch lieb‘


Bild 2025 by Dichterling; Text 2026 by Dichterling

Halt-Los

Entwurzelt ohne Flügel
Treibend durch das Leben
Richtung ohne Zügel
Wirkungsloses Streben

Ankerlos in freiem Fall
Zwangsgefesselt hoch hinaus
Feste hier, doch überall
Liegt im Anfang schon das Aus

Alle Dinge die gewesen
Sinus ist ihr Daseinswesen
Illusion gedacht erlebt
Fix geprägt und doch verweht

Tiefgestapelt hochgeflogen
Falschgelegen gradgebogen
Traumerfüllt, Realverlust
Fragezeichen antwortlos

Nie genug und doch Zuviel
Nein war Ja und Ja war Nein
Freude und auch Trauerspiel
Seiten eines Heiligschein

Zukunft war stets ungewiss
Als der Sinn verloren ging
In des Wiegenlieds Begräbnis
Steckt der Geist im Neubeginn


Bild (C) 2019 by Dichterling, Text (C) 2024 by Dichterling


Verblasst

Wo ist es hin
Das Erstgefühl?
Als unser Puls
Im Liebesrausch
Noch ungeprüft
Und ohne Last
Ganz frei heraus
Uns schweben ließ

Wo ist sie hin
Die Leichtigkeit?
Als wir noch jung
Und unbedarft
Uns stürtzten rein
Ins Liebesspiel
Mit off’nem Herz
Den Liebsten sah’n

Wo ist er hin
Der Liebesblick?
Als wir noch rein
Und unverfälscht
Ganz aufgeregt
Hoch freudenvoll
Im Andren sah’n
Das Schöne nur

Wohin ist nur
Des Reizens Glanz?
Als wir noch bunt
Und farbenfroh
Gemeinsamkeit
Uns ausmalten
Im Bild von uns
Ganz wunderbar

Wo ist es hin
Das Wunder nur?
Als wir noch fest
Im Glauben war’n
Das Schiksal spannt
Sein Liebesband
Für unseren
Zusammenhalt

Wohin ist die
Anziehungskraft?
Als unser Trieb
Den Wunsch nährte
Stets Tag und Nacht
Uns nah zu sein
Bis ans Ende
Unsrer Tage

Wo ist sie hin
All unsre Zeit?
Als wir im Glück
Noch Hand in Hand
Durch manchen Traum
In Schmiedekunst
Erschufen uns
Vermächtnisse

Wo ist er hin
Der Wert vom WIR?
Als du und ich
Noch wichtig war’n
Und erkennend
Frucht gebaren
Um dem Leben
Sinn zu geben

Wohin ist die
Erinnerung?
Als neulich wir
Uns fragten nun
Wer wir noch sind
Da war uns klar
Von alledem
Ist nichts mehr da


Bild (C) 2026 by Noah Nungäßer; Text (C) 2026 by Dichterling


Neues

Man fraget sich
Wo sie geblieben
All die Lyrik
Die geschrieben

Weg ist sie
Und frisch verpackt
In den Büchern
Neu im Takt

Dort fristet sie
Ein neues Leben
Und ihr Geist
Wird weiter streben

Schaut hinein
Ins Bücherland
Weltenspiele
Warten dort

Neu zur Zeit ist „Ausgedichtet“
Der letzte Rest ist ausgerichtet
Geistesblitze abgelichtet
Im Verlag schon angerichtet


Derzeit befindet sich der Dichterling für eine unbestimmte Zeit in einer Schaffenspause.


(C) 2024 by Dichterling